
Neben der strukturellen Planung eines neuen Projektes denke ich immer und parallel auch an die Visualisierung, und nehme erneut den Einfluss dessen wahr, was ich selbst konsumiere. Ob eine Ästhetik in mir wächst und sich in dem spiegelt, was ich dort draußen entdecke, oder ob sich eher aus der Bewertung des Konsumierten eine Linie herausbildet, das kann ich kaum beurteilen, vermutlich stimmt beides ein bisschen. Entgegen der üblichen Flucht vor Ähnlichem sammele ich es jetzt einfach, geht ja leicht, ich ziehe es auf meinen Schreibtisch.
Und so füllt sich die untere rechte Ecke meines Bildschirms mit visuellen Assoziationen, früher hätte man das »Moodboard« genannt, eine Sammlung von Bildern und Farben, die eine Stimmung erzeugen, ein Vorabgefühl für das, was noch zu entwickeln ist. Ich kann den Sprühkleber noch riechen, dabei ist das auch schon wieder eine Dekade her.
humbledMBA
»At first, I did this because the lawyer had told me to. But what was really going on? I was obsessed with my brilliance.«
Jason Freedman erzählt von der Sehnsucht, eine Idee ganz für sich zu behalten. Er schreibt aus eigener Erfahrung und empfiehlt: das Gegenteil.
30 Prozent von Nichts
»Our philosophy is simple – when Apple brings a new subscriber to the app, Apple earns a 30 percent share; when the publisher brings an existing or new subscriber to the app, the publisher keeps 100 percent and Apple earns nothing.«
Steve Jobs bringt es auf den Punkt. Den Verbänden wird das nicht passen, es wird Ausrufezeichen hageln.
Nachtrag vom 16.2.2011:
»Apple is eating the people that provide the things that make the iPad special.« sagt Gizmodo, »forget iOS and bring on the HTML5 mobile apps«, schließt Ryan Carson. Heise fasst zusammen. Das Thema ist gekommen um zu bleiben.
»Apple’s new rules rile. But not me: I’m the paying customer and I resent the old model. The new rules are customer-centric.«
meint Jean-Louis Gassée

Mein Sohn (9) mag das iPhone, und er ist eifriger Betatester der Dinge, die ich versuche. Dass ich weder fachlich, noch zeitlich oder finanziell in der Lage bin, ein Spiel in der Form zu entwickeln, wie es ihm vorschwebt, nimmt er mir übel. Aber es hält ihn nicht davon ab, schon einmal Pläne zu zeichnen. Der Kerl dort oben, der heißt »Rodaka«, sagt er.
Berliner Zeiten
Nach Murdoch nun auch Springer, mit »Berliner Zeiten« kommt ein Magazin auf den Markt, das speziell für das iPad gemacht wird. Die w&v schreibt, dass selbst das Redaktionssystem auf dem iPad läuft und speziell entwickelt wurde. Das klingt ambitioniert, sieht aber auf den ersten Blick nicht so aus: Das Cover ist furchtbar, da hilft auch Lindenberg nicht.
Langsam kommt also alles ins Rollen, ich bin überzeugt davon, dass der neue Abodienst Apples die Entwicklung beschleunigen wird. Nach wie vor schade, dass sich nicht auch Freie finden, die in der Stunde eine Gunst sehen, kleine Teams mit korrespondierenden Zielen und einem gemeinsamen Anspruch. Der Markt für Magazine ist mit der Öffnung ins Digitale wieder undefiniert, eine Chance, die so schnell nicht wiederkommt. Praschl wäre einer, aber der hasst das Ding ja.
»Es ist, wie es ist«, ich entdecke das Rheinland in mir mit fortschreitendem Alter neu.
Geschenkt
Zeitzeichen im doppelten Sinn: Die App »Zeitzeichen« ist jetzt kostenlos. Das wird so bleiben, bis die nächste Version erscheint – dann mit voller Retina- und iPad-Unterstützung.

Abbildung Copyright Peter Neuhaus auf MdK
»Die Verbindung zum guten Grund gehört durchtrennt«, hat mal ein schlauer Mann gesagt, mich hat das beeindruckt. Auch, weil ich es schon lange nicht mehr kenne, bei mir hat ja alles einen Grund, meist nicht einmal einen guten, was auch immer gut sein mag, und oft nur schemenhaft erkennbar. Kaum Grundlosigkeiten, in mir und um mich herum.
Wenn ich mich erneut verirre in den gedanklichen Abhängigkeiten, logischen Zusammenhängen, dem Versuch, die Regel im Chaos zu entdecken, und wenn mir all das wieder einmal zu viel wird, dann besuche ich das MdK. Die Meisterwerke der Kritzelei erinnern mich daran, welche Schönheit entstehen kann, wenn sie unbedingt bleibt. Das tut gut.
BDZV, ENPA
Ich verstehe die Zeitungsverlegerverbände nicht, und im Grunde fällt mir zu ihren Kürzeln nur ein passendes aus meiner Kindheit ein: DBDDHKP. Die Älteren werden sich erinnern, den Jüngeren erspare ich die Langform.
Nun jedenfalls fordern sie Planungssicherheit, die Zeitungsverleger. Warum sie das tun, bleibt mir schleierhaft, den Zeit genug hatten sie, sich um die eigenen Planungen zu kümmern. Selbst wenn niemand unter ihnen besonders visionär gewesen sein sollte, eine Dekade zumindest wäre als Vorlauf für die Bildung neuer (und eigener!) Strukturen drin gewesen. Man kann sich über diese fortlaufenden Versäumnisse ärgern, als Verleger, aber den Ärger so plump an anderen festzumachen, das ist unbegreiflich.
Die Furcht scheint zu steigen vor den sich nun herausbildenden neuen Strukturen, die fremdgeschaffen sind, und so werden die Forderungen dreister, Apple soll der böse Bube sein und geradestehen für all das:
»Bereits am Montag hatte der europäische Zeitungsverlegerverband (ENPA) Apple aufgefordert, den Medienhäusern bei ihren Angeboten für das iPad kein bestimmtes Geschäftsmodell vorzuschreiben. Die Zeitungsverlage sollten die Freiheit haben, das von ihnen bevorzugte Bezahlungssystem für Inhalte auf dem iPad auszuwählen und den Preis selbst festzulegen.«
Ja nee, schon klar. Es geht um Hardware, die Apple produziert, eine Plattform, die Apple entwickelt hat, einen Vertriebsweg, den Apple bietet, eine Infrastruktur, Bandbreite, alles wird von Apple zur Verfügung gestellt. All das kann man nutzen, als Verleger. Aber man muss nicht. Macht eigene Abo-Modelle, verkauft Eure Inhalte in den von Euch gewünschten Formen, Web, PDF, eigene Entwicklungen, was und wie auch immer, aber macht es Euch doch selbst! Statt dessen zu fordern, das ein anderer all das bieten und leisten soll, und all das eben ohne Honorar, das ist schlicht dreist.
Man stelle sich vor, ein solcher Gedanke würde auf konventionelle Vertriebswege (die im übrigen bezüglich der Marge keineswegs günstiger für die Verlage sind) übertragen. Kein Geld für den Fahrer, der die Zeitungen zum Kiosk bringt, kein Anteil für die Ladenbesitzer, und der Zeitungsjunge fährt die Blätter aus reiner Freude und ebenfalls kostenlos aus. Hallo?
Man kann von der alles verschlingenden Tendez zum Kostenlosen, hinter der sich eine Tendenz zur Wertlosigkeit verbirgt, halten, was man will. Dass die Verlegerverbände in solch populistischem Ton an Apple herantreten, zeugt von Panik.
Im Nachdenken über die neu angegangene App werde ich zunehmend nervös. Die Funktionen, ihre Nutzung und darunter liegende Methoden ufern aus, es öffnet sich ein Kosmos. Andererseits ist gut, dass mich das rasend macht und überfordert, so wächst der Leidensdruck und mit ihm die Sehnsucht nach Ordnung. Noch ist das machbar ohne eine Hand zu rühren, und im Gedankenstreich.
Auf das Papier damit, also, viel mehr Papier für all das. Damit ich es zerknüllen kann, und wegschmeißen. Bis das Verbliebene passt.
